franchise

News Franchise

19.04.18

Franchise-Systeme: Eine Risikobetrachtung


Wer sich selbstständig machen möchte und keine revolutionäre Idee hat, der ist mit einem Franchise-System oftmals gut beraten. Die Vorteile liegen auf der Hand: Eine bewährte Geschäftsidee, die schon am Markt etabliert ist, in den meisten Fällen auch schon mit einem bekannten Markennamen, so dass man auch marketing-technisch nicht bei null starten muss.

Aber trotz der vielen Vorteile, die eine Franchise-Gründung mit sich bringt, gibt es auch einige Risiken, die auf dem Weg in die Selbständigkeit mit einem Franchise-System beachtet werden müssen.

Vertragliche Risiken

Wer Franchise-Nehmer werden möchte, der begibt sich immer in ein Vertragsverhältnis mit dem Franchise-Geber. Da dieser in der Regel einen Informationsvorsprung hat (schließlich arbeitet er mit einer Vielzahl von Franchise-Nehmern zusammen und konnte so schon Erfahrungen sammeln) und an der erfolgreichen Repräsentation seiner Marke interessiert hat, wird der Franchise-Geber in der Regel versuchen, den Vertrag so weit wie möglich zu seinen Gunsten zu gestalten. Vor der Unterzeichnung des Vertrags sollte man sich als Franchise-Nehmer also immer rechtliche Unterstützung zum Gegenlesen des Vertrages holen.

Mit dem ersten Vertrag ist es oftmals auch nicht getan. Wenn man sich ein erfolgreiches Standbein als Franchise-Nehmer aufgebaut hat, ist der Zeitpunkt der Vertragsverlängerung immer ein kritischer: Auch hier besteht das Risiko, dass der Franchise-Geber die Bedingungen zu seinen Gunsten anpasst oder sonst die Verlängerung verweigert.

Geschäftliche Risiken

Neben dem vertraglichen Part existieren auch geschäftliche Risiken. Die wichtigsten Risiken, die der Franchise-Nehmer zu bedenken hat, sind dabei:

  • Standortrisiken: Ist der Standort jetzt und in der Zukunft attraktiv? Wie ist die Bevölkerungsentwicklung?
  • Nachfrage: Können mit der geschätzten Nachfrage die Kosten gedeckt werden? Wird das auch in fünf Jahren noch so sein?
  • Konkurrenz: Wie etabliert ist die Konkurrenz? Wie einfach ist es für Konkurrenten, das Geschäftsmodell zu kopieren? Wie hoch sind die Markteintrittsbarrieren?

Finanzielle Risiken

Zusätzlich zu den geschäftlichen und vertraglichen Risiken gibt es in jedem Unternehmen finanzielle Risiken. Speziell bei Franchise-Systemen sollten diese nicht unterschätzt werden, da für die Eröffnung neben den „normalen“ Kosten für Standort, Ausrüstung, Personal etc. noch eine Lizenzgebühr an den Franchise-Geber gezahlt werden muss. Je nach Franchise-Geber bewegt sich diese im vier- bis sechsstelligen Euro-Bereich. Dieses Geld muss natürlich im Laufe der ersten Jahre verdient werden.

Weiterhin sind Konditionen mit Lieferanten und Kunden von großer Bedeutung: Je schneller die Kunden zahlen und je länger die Zahlungsfrist bei den Lieferanten, desto besser. Wer allerdings mit einem System startet, bei dem die Rechnung erst nach der Leistungserbringung gestellt werden kann oder die Lieferanten vor Leistungserbringung bezahlt werden müssen, der sollte sich darüber Gedanken machen, wie stets für ausreichen Liquidität gesorgt ist.

Weitere finanzielle Risiken hängen immer von gewählten Franchise-System ab, hat man zum Beispiel Kunden oder Lieferanten im Ausland, so sollte man sich über Währungsrisiken, schwankende Wechselkurse und Forex Strategien Gedanken machen.

Operative Risiken

Auch auf der operativen Ebene – also im täglichen Geschäft – gibt es einige Risiken, mit denen sich Franchise-Nehmer immer wieder auseinandersetzen müssen. Die häufigsten Risiken sind dabei:

  • Fluktuation: In der Regel beschäftigen Franchise-Nehmer Mitarbeiter, um die täglichen Aufgaben zu bewältigen. Ein Weggang von Mitarbeitern ist dabei immer ein Risiko für das Geschäft, denn Mitarbeiter sind nicht einfach zu ersetzen und neu angestellte Arbeitskräfte müssen in der Regel erst angelernt werden, bevor Sie voll einsatzfähig sind. Das bedeutet einen entsprechenden Kosten- und Zeitaufwand. Diesem Risiko kann am besten mit guten Arbeitsbedingungen für Mitarbeitern sowie gut dokumentierten Arbeitsabläufen (zum Anlernen von neuen Mitarbeitern) vorgebeugt werden.
  • Kundenabhängigkeit: Vor allem Franchise-Systeme, die hochpreisige Artikel oder Dienstleistungen verkaufen, ist der Kundenkreis in der Regel gering. Das schafft eine Abhängigkeit von einer kleinen Anzahl Kunden, die für einen Großteil des Umsatzes verantwortlich sind. Dem kann vor allem durch ein gutes Verhältnis mit den Kunden sowie ständige Neukundenakquise entgegengesteuert werden.
  • Abhängigkeiten von Lieferanten und Rohstoffen: Auf der anderen Seite ist man als Franchise-Nehmer aber auch oft von Lieferanten bzw. speziellen Rohstoffen abhängig. Je weniger Anbieter am Markt, desto größer die Abhängigkeit. Daher sollte man sich als Unternehmer immer einen Marktüberblick verschaffen und sich Alternative bewusst sein, falls ein Lieferant wegfällt oder die Preise erhöht.
  • Abhängigkeit von Maschinen: Auch die Abhängigkeit von Technologien und Maschinen ist ein Risiko für Franchise-Nehmer. Wenn das Geschäftsmodell auf einer bestimmten Maschine basiert (beispielsweise einer Eismaschine in einem Eiscafé), bedeutet der Ausfall einer solchen Maschine sofortigen Umsatzverlust. Daher sind Wartungs- und Serviceverträge mit Maschinen- und Technologieherstellern ein Muss. Und auch über eventuelle Ausweichlösungen sollten sich Franchise-Nehmer im Vorfeld Gedanken machen.
  • Verderb: Speziell in der Gastronomie sind Franchise-Nehmer immer dem Risiko des Warenverderbs ausgesetzt. Um den Verderb möglichst gering zu halten, sollte man den Franchise-Geber nach Erfahrungswerten für einen guten Einkauf fragen, aber auch selbst Beobachtungen anstellen, welche Waren sich wann und in welchen Mengen verkaufen.

Fazit

Eine Unternehmensgründung ist immer mit Risiken behaftet – egal ob mit Franchise-System oder ohne. Wer sich aber im Vorfeld ausreichend Gedanken über Risiken und Gegenmaßnahmen macht, der ist vielen Gründern einen Schritt voraus und kann eine bessere Einschätzung liefern, ob eine Gründung lohnt oder nicht. Weiterhin ist man – wenn man sich im Vorfeld mit den Risiken für das eigene Geschäft befasst hat – beim Eintreten eines Risikofalles vorbereitet und hat den Notfall-Plan direkt schon in der Tasche.



Business-English gratis
Linktipp
Gründer-Forum
Tauschen Sie sich mit Gründern und Experten zum Thema Franchising aus.

Diskutieren Sie mit!
Franchise-Messe
Franchise-Systeme
Hier finden Sie das Franchisesystem, das zu Ihnen passt!
Details